Inhalt
Schimmelpilzbildung
Schimmelpilzbildung in Wohnungen


1 Einleitung

Gesetz über Aussatz an Häusern (3. Mose 14)

33Und der HERR redete mit Mose und Aaron und sprach:

34Wenn ihr ins Land Kanaan kommt, das ich euch zum Besitz gebe, und ich lasse an irgendeinem Hause eures Landes eine aussätzige Stelle entstehen, 35so soll der kommen, dem das Haus gehört, es 1dem Priester ansagen und sprechen: Es sieht mir aus, als sei Aussatz an meinem Hause.

36Da soll der Priester gebieten, dass sie das Haus ausräumen, ehe der Priester hineingeht, die Stelle zu besehen, damit nicht alles unrein werde, was im Hause ist. Danach soll der Priester hineingehen, das Haus zu besehen.

37Wenn er nun den Ausschlag besieht und findet, dass an der Wand des Hauses grünliche oder rötliche Stellen sind, die 2tiefer aussehen als sonst die Wand, 38so soll er aus dem Hause herausgehen, an die Tür treten und das Haus für sieben Tage verschließen.

39Und wenn er am siebenten Tage wiederkommt und sieht, dass der Ausschlag weitergefressen hat an der Wand des Hauses, 40so soll er die Steine ausbrechen lassen, an denen der Ausschlag ist, und hinaus vor die Stadt an einen unreinen Ort werfen.

41Und das Haus soll man innen ringsherum abschaben und den abgeschabten Lehm hinaus vor die Stadt an einen unreinen Ort schütten 42und andere Steine nehmen und statt jener einsetzen und andern Lehm nehmen und das Haus neu bewerfen.

43Wenn dann der Ausschlag wiederkommt und ausbricht am Hause, nachdem man die Steine ausgebrochen und das Haus neu beworfen hat, 44so soll der Priester hineingehen. Und wenn er sieht, dass der Ausschlag weitergefressen hat am Hause, so ist es gewiss ein fressender Aussatz am Hause, und es ist unrein.

45Darum soll man das Haus abbrechen, Steine und Holz und allen Lehm am Hause, und soll es hinausbringen vor die Stadt an einen unreinen Ort.

46Und wer in das Haus geht, solange es verschlossen ist, der ist ³unrein bis zum Abend.

47Und wer darin schläft oder darin isst, der soll seine Kleider waschen.

48Wenn aber der Priester hineingeht und sieht, dass der Ausschlag nicht weiter am Hause gefressen hat, nachdem es neu beworfen ist, so soll er es rein sprechen; denn der Ausschlag ist heil geworden.



1Kap 13,2
2Kap 13,3
3Kap 11,24


2 Was ist Schimmelpilz

2.1 Pilze

Pilze sind Pflanzen, die einen einfachen Vegetationskörper (Thallus), nicht in Spross und Wurzel gegliedert, besitzen. Da ihnen die Pigmente zur Photosynthese (Chlorophyll) fehlen, können sie kein Kohlendioxid aus der Luft assimilieren und sind somit auf organisch gebundenen Kohlenstoff angewiesen.

2.2 Schimmelpilze

Schimmelpilze bilden eine besondere Gruppe. Der Begriff Schimmelpilz lässt sich nicht eindeutig definieren und abgrenzen, da er aus der mikrobiologischen Praxis stammt und keine systematisch abgegrenzte Pilzgruppe umfasst. Schimmelpilze bilden eine ökologische Kategorie, die verschiedenste Organismen vereint, die bestimmte gemeinsame ökologische Nischen besiedeln. Schimmelpilze finden sich in verschiedenen Abteilungen der Pilze.

Die „Samen“ der Pilze werden Sporen genannt und sind erste Voraussetzung zur Entstehung eines Pilzgewächses. Die Sporen sind kleinste Mikroorganismen, die sich wie Staubteilchen in unserer Atemluft befinden, mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Ständig sind wir in Räumen oder im Freien von Sporen aller möglichen Pilzarten umgeben, was als ein normaler Fakt hingenommen werden muss. Ebenso wie Bakterien oder Viren sind sie fester Bestandteil unserer Umwelt. Konzentrationen dieser Sporen ergeben sich immer dort, wo ein bereits vorhandener Pilz die Sporen produziert.

Zweiter wichtiger Bestandteil eines Pilzes ist das Myzel. Darunter ist ein gewebeartiges Geflecht zu verstehen, wie es auch im Waldboden vorkommt. Es dient der Nahrungsversorgung, Stoffwechselprozessen und der Fortpflanzung. Die einzelnen Stränge dieses Myzelgebildes werden als Hyphen bezeichnet.

Beim Schimmelpilz ist dies ein feines, weit verzweigtes Gewebe, nur unter dem Mikroskop erkennbar. Das Myzel der Schimmelpilze siedelt im Mauerwerk, auf Putz, im Holz, auf Tapeten, auf Leder, in Textilien sowie auch auf Kunststoffen oder Wand- und Bodenfliesen. Verdichtet sich dieses Myzel, werden stellenweise dunkle Flecken sichtbar.

Die Myzelbildung ist außerdem eine Voraussetzung zur Entstehung des Fruchtkörpers, dem Endprodukt eines Pilzgewächses. Der Fruchtkörper eines Waldpilzes ist allgemein gut erkennbar, die Frucht des Steinpilzes zum Beispiel an seiner typischen Form mit Stiel und Hut. Die äußerlichen Merkmale des Fruchtkörpers können jedoch unterschiedlichste Formen und Farben annehmen. Bei den Schimmelpilzen in unseren Wohnungen handelt es sich überwiegend um einen filzigen, flächigen Belag, der oft nur sehr dünn ausgebildet ist. Die Farbschattierungen reichen von grünlich, bläulich, rötlich, grau, braun bis schwarz.

2.3 Arten

Am häufigsten treten Cladosporium, Penicillium, Aspergillus, Aurebasidium und Alternaria auf. Diese sind nur einige der vielen Arten, die auftreten können.

2.4 Lebensbedingungen

Die meisten Schimmelpilzarten benötigen für ihre Entwicklung Temperaturen über 0°C, ein Umgebungsmilieu, je nach Sorte, mit einem pH-Wert zwischen etwa 3 bis 8 und insbesondere Feuchtigkeit sowie organisches Material als Nahrung, wobei Feuchtigkeit nicht dauernd, sondern nur zeitweise vorhanden zu sein braucht. Organisches Material ist in Gebäuden, z. B. in Tapeten vorhanden. Vor allen Dingen Raufasertapeten sowie Tapetenkleister enthalten die Bestandteile Glucose, Eiweiß und Lignin, die als Nahrung dienen.

Sollten die notwendigen Lebensbedingungen nicht mehr vorliegen, können Schimmelpilze ihr Wachstum über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate, bei manchen Sorten sogar Jahre) einstellen (dieser Zustand wird Trockenstarre genannt), um es dann bei günstigerem Milieu erneut aufzunehmen.

3 Ursache von Schimmelpilzbildung

Schimmelpilz kann an allen Stellen entstehen, an denen die entsprechenden Lebensbedingungen vorliegen. Da die Sporen überall in der Luft vorhanden sind, kann Schimmelpilz bei vorliegenden von geeigneten Lebensbedingungen an diesen Stellen wachsen.

Um das Wachstum von Schimmelpilz zu unterbinden, ist es notwendig, die Lebensbedingungen so weit einzuschränken, dass ein Wachstum nicht erfolgen kann.

Das zum Leben benötigte organische Material ist in vielen Baustoffen vorhanden. Das Entziehen von organischem Material als Lebensgrundlage ist mit einem sehr großen Aufwand verbunden und würde dazu führen, dass ganze bewährte Bauteile nicht mehr verwendet werden könnten.

Viel einfacher ist es, die zum Leben notwendige Feuchtigkeit soweit zu minimieren, dass es zu keinem Schimmelpilzwachstum kommt.

Die für das Wachstum notwendige Feuchtigkeit kann auf verschiedenen Wegen in Wohnungen gelangen. Mögliche Wege sind:

   - Undichte Leitungen (Wasser, Abwasser, Heizung);

   - Von außen durch Undichtigkeiten eindringendes Wasser;

   - Durch Nutzung der Wohnung.

3.1 Undichte Leitungen

Durch Lecks kann Wasser aus den oben genannten Leitungen austreten. Dies kann zu Schimmelpilzwachstum führen. Bei Schimmelpilzbildung an Innenwänden, bei denen keine geringer beheizten Räume angrenzen, liegt der Verdacht sehr nahe, dass es sich bei der Ursache um eine undichte Leitung handelt.

Diese Lecks müssen gefunden und die Ursache behoben werden, um Schimmelpilzwachstum zu verhindern.

3.2 Von außen durch Undichtigkeiten eindringendes Wasser

Durch Undichtigkeiten, wie z. B. Risse im Putz, Undichtigkeiten in Abdichtungen und undichten Dächern kann Wasser eindringen. Auch hier müssen die Undichtigkeiten gefunden werden, um diese zu beseitigen und dadurch Schimmelpilzwachstum zu verhindern.

3.3 Nutzung der Wohnung

Durch Nutzung der Wohnung wird Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben. Dies kann beim Atmen, Kochen oder Duschen erfolgen. Pflanzen geben ebenso Feuchtigkeit an die Raumluft ab, wie Aquarien oder Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt wird.

Diese Feuchtigkeit muss durch entsprechendes Lüften und Heizen in den Wintermonaten und der Übergangszeit auf Werte von unter 50 % relativer Luftfeuchte gehalten werden, um Schimmelpilzwachstum zu verhindern.

In den oben genannten Jahreszeiten liegt an den Außenwänden ein Temperaturgefälle vor. Durch die kältere Außenluft ist auch die innenliegende Wandoberflächentemperatur niedriger als die Lufttemperatur im Raum. Dadurch kühlt sich die Luft im Bereich der kälteren Wände ab.

Da kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann wie warme Luft, steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Die relative Luftfeuchtigkeit besagt, wie viel Feuchtigkeit, bei einer bestimmten Temperatur, zur maximal aufnehmbaren Feuchtigkeit vorhanden ist.

Die auf der sicheren Seite liegende, kritische, relative Luftfeuchtigkeit darf an der Bauteiloberfläche 80 % nicht überschreiten. Bauteiloberflächen müssen somit nicht unbedingt nass sein (Luftfeuchtigkeit an Bauteiloberfläche 100 %), damit es zu Schimmelpilzwachstum kommt.

Die Oberflächentemperatur ist abhängig von dem Wärmedurchlasswiderstand der Wand. Je größer der Wärmedurchlasswiderstand der Wand, desto höher ist die innere Oberflächentemperatur und desto geringer ist die Gefahr von Schimmelpilzwachstum.

DIN 4108 schreibt Mindestwerte für den Wärmedurchlasswiderstand vor. Im Vorwort zur DIN 4108 Teil 2 Ausgabe 2001-03 heißt es: „Durch Mindestanforderungen an den Wärmeschutz der Bauteile im Winter ... wird ein hygienisches Raumklima, sowie ein dauerhafter Schutz der Baukonstruktion gegen klimabedingte Feuchte-Einwirkungen sichergestellt. Hierbei wird vorausgesetzt, dass die Räume entsprechend ihrer Nutzung ausreichend beheizt und belüftet werden.“

Des Weiteren werden in der oben genannten Norm Mindestanforderungen im Bereich von Wärmebrücken genannt.

4 Gefährlichkeit von Schimmelpilzbildung

Dr. Thomas Gabrio vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg schlägt für die Bewertung von Schimmelpilzbewuchs drei Kategorien vor. In die Kategorie 1 werden betroffene Flächen bis zu 20 cm² eingestuft, in die Kategorie 2 betroffene Flächen bis 0,5 m² und in die Kategorie 3 betroffene Flächen über 0,5 m².

In der Kategorie 2 sollte „die Freisetzung von Pilzbestandteilen (...) unmittelbar unterbunden und die Ursache mittelfristig ermittelt werden.“ Sollten sich die betroffenen Flächen weiter ausweiten und über eine Größe von 0,5 m² wachsen, so „sollte die Freisetzung von Pilzbestandteilen sofort unterbunden werden, die Ursache des Schadens ist unverzüglich zu ermitteln und zu beseitigen. Die Betroffenen sind auf geeignete Art und Weise über den Sachstand zu informieren, eine umweltmedizinische Betreuung sollte erfolgen.“

Des Weiteren führt Dr. Thomas Gabrio aus:

„Die Ausprägung der toxischen und allergenen Wirkungen u.a. durch Mykotoxine ist erheblich von der Art der Schimmelpilze (Spezies) und von der aufgenommenen Gesamtmenge abhängig. Prinzipiell liegt bei erhöhten Schimmelpilzbelastungen potentiell eine gesundheitliche Gefährdung vor, die aus Gründen der Risikominimierung im Innenraum nicht auftreten sollte.

Da die Wirkung von Schimmelpilzen nicht nur von Quantität und Qualität der Schimmelpilzbelastung abhängt, wobei auch abgestorbene Schimmelpilze, Sporen und der umgebende Staub Wirkungen haben können, sondern auch von der - oft konstitutionell bedingten - Reaktion des Individuums abhängig ist, ist es bisher nicht möglich, allgemein akzeptierte, feststehende, gesundheitlich begründete Grenzwerte aufzustellen. Daher erfolgt die Bewertung von Schimmelpilzbelastungen in Innenräumen aus hygienischer Sicht. Das verstärkte Auftreten von Schimmelpilzen stellt also ein allgemein hygienisches Problem dar.

Vereinfacht kann jedoch festgestellt werden, dass Pilze unbestritten adverse Effekte auf die Gesundheit haben können. Weiterhin konnte in epidemiologischen Untersuchungen gezeigt werden, dass bei Feuchteschäden und damit unter Bedingungen, bei denen sich Mikroorganismen vermehren, das Risiko zu erkranken zunimmt. Daher wird grundsätzlich eine Minimierung von mikrobiellen Belastungen empfohlen.

Das bedeutet, dass bei einer deutlichen, statistisch abgesicherten Erhöhung der Schimmelpilzbelastung in einem Innenraum im Vergleich zum allgemeinen Hintergrund, eine zusätzliche Quelle vorhanden bzw. wahrscheinlich ist (sichtbarer Schimmel, erhöhte Konzentrationen von Schimmelpilzen bzw. deren Stoffwechselprodukten in der Luft bzw. im Staub), die aus Gründen der Vorsorge beseitigt werden sollte. Um eine hygienische Beurteilung eines Schimmelpilzbefalls vornehmen zu können, sind die Ergebnisse der Untersuchungen der Material-, Luft und Staubproben zusammen mit bauphysikalischen Daten, wie z. B. Temperatur und relative Feuchte der Außen- und Raumluft sowie an der Innenoberfläche von Außenbauteilen und gegebenenfalls das Feuchteprofil des Wandmaterials, die Luftwechselrate sowie ergänzende Informationen der Betroffenen und gegebenenfalls des behandelnden Arztes im Gesamtzusammenhang auszuwerten.

Bei einer Bewertung sollte grundsätzlich berücksichtigt werden, dass die Raumluftqualität von intramuralen Quellen und durch die Außenluft beeinflusst wird. Naturgemäß steigt die Schimmelpilzkonzentration der Außenluft in der Vegetationsperiode bis zum Sommer stark an und fällt erst im Spätherbst auf ein niedriges Niveau zurück. Innerhalb der Vegetationsperiode unterliegt die Außenluftkonzentration starken Schwankungen. Sie wird sowohl vom Tag/Nacht-Rhythmus als auch von der lokalen Witterung entscheidend beeinflusst. Die Schimmelpilze im Innenraum werden entsprechend dem Lüftungsverhalten von der Schimmelpilzkonzentration in der Außenluft beeinflusst. Weiterhin werden mit der Kleidung und mit Gegenständen Pilze in Wohnungen eingetragen. Es ist daher über das ganze Jahr eine veränderliche Hintergrundbelastung zu erwarten.“

5 Entfernung von Schimmelpilz

Zuerst muss die Ursache der Schimmelpilzbildung gefunden und diese beseitigt werden. Ansonsten sind alle nachfolgend genannten Maßnahmen nur als vorübergehende Maßnahmen zu bezeichnen. Erst wenn die Ursache entgültig beseitigt ist, kann der Schimmelpilz dauerhaft entfernt werden.

Dr. Thomas Gabrio vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg gibt dafür folgende Empfehlungen: „Sanierungen von denen ein geringes Risiko ausgeht, können unter Beachtung der unten angegebenen allgemeinen Schutzmaßnahmen selbst durchgeführt werden.“

Es ist u. a. davon auszugehen, dass ein geringes Risiko vorliegt, wenn:

   - die befallenen Flächen klein sind,

   - bei der Sanierung nur mit einer geringen Sporenfreisetzung zu      rechnen ist,

   - in dem Raum in dem die Sanierung durchgeführt wird sich keine      Menschen aufhalten, die „besonders gefährdet sind.“

Bei geöffnetem Fenster sind die losen Bestandteile des Pilzes und die befallenen Materialien trocken zu entfernen. Anschließend sind die Stellen mit einem der folgenden Mitteln zu durchtränken und abzureiben:

   - hochprozentiger Essig (Essigessen),

   - hochprozentiger, vergällter Alkohol (Spiritus),

   - medizinischer Alkohol 80%-ig,

   - Salmiakverdünnung (Konzentration so hoch wie verträglich).

Ich empfehle aus Gründen der Verträglichkeit und Geruchsbelästigung medizinischen Alkohol.

Die schimmelpilztötenden Wirkung der im Handel angebotenen Mixturen beruht in der Regel auf Chlor-Verbindungen, organischen Schwefel-Stickstoff-Verbindungen oder organischen Zinnverbindungen.

Das Bundesgesundheitsamt hat wiederholt vor den Gefahren der Anwendung chemischer Vertilgungsmittel in Wohnräumen gewarnt. Besonders chlorhaltige Verbindungen sind für den menschlichen Organismus gefährlich. Außerdem wird bei diesen Mitteln nur ein gefährlicher Stoff durch einen anderen gefährlichen Stoff ausgetauscht.


 Dipl.-Ing. (FH) Lothar Hild